Zinsen in der beruflichen Vorsorge

Die berufliche Vorsorge ist von verschiedenen Zinssätzen bestimmt. Der BVG-Mindestzinssatz bestimmt die jährliche Verzinsung des angesparten Altersguthabens. Er wird vom Bundesrat jährlich festgelegt und steht im Fokus des politischen Interesses. Ebenso der Mindestumwandlungssatz, der allerdings kein Zinssatz ist, weil er angibt, wie viele Prozente des Altersguthabens man jährlich als Altersrente erhält. Da er aber im Gesetz festgeschrieben ist und nur mittels einer Gesetzesrevision gesenkt werden kann, löst die Senkung eine politische Debatte über die Rentenhöhen aus.

Ein weiter bedeutender Zins ist der technische Zinssatz, eine weitgehend technokratisch bestimmte Grösse. Der technische Zinssatz war bisher nur den Spezialisten der beruflichen Vorsorge geläufig und gab kaum Anlass für Diskussionen. Dies obschon er grosse Auswirkungen auf die Renten und deren Finanzierung hat. Sinken die technischen Zinssätze, sinken auch die künftigen Altersrenten, sofern keine Zusatzfinanzierung erfolgt. Seit der technische Zinssatz ins bodenlose fällt ist auch diese Grösse ins zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Das PK-Netz arbeitet an einer Publikation zum technischen Zins als Leitfaden für die Stiftungsräte und organisiert ein Weiterbildungsseminar im März 2017 (weitere Infos folgen).

Weiterer Zinssatz ist der Projektionszinssatz. Dieser wird verwendet, um zu ermitteln, wie hoch die Altersguthaben der Versicherten zum Pensionierungszeitpunkt voraussichtlich sein werden (Projektion). Es handelt sich dabei um eine Annahme; um einen «hypothetischen Zinssatz». Je nach dem, wie hoch dieser Zinssatz angenommen wird, ergeben sich niedrigere oder höhere Endaltersguthaben und damit niedrigere oder höhere projizierte Altersrenten. Auf die effektive Altersrente hat dieser Zinssatz kein Einfluss, sondern hat lediglich einen Informationscharakter. Den Verzugszinssatz muss die Pensionskasse bezahlen, wenn die Austrittsleistungen zu spät überweist. Dieser beträgt aktuell 2.25%.

BVG-Mindestzinssatz

Der Mindestzins in der 2. Säule sollte garantieren, dass die Erwerbstätigen auf ihren Pensionskassenguthaben eine minimale Verzinsung erhalten. Der Bundesrat setzt die Höhe fest, die Eidgenössische BVG-Kommission gibt jeweils eine Empfehlung ab.

Die BVG-Kommission wendet eine konservative Formel an, weil die Mehrheit der Kommission aus Arbeitgeber und ihnen nahe stehende Experten. Die Arbeitnehmenden sind in der Kommission durch mit Doris Bianchi (SGB), Matthias Kuert (Travail.Suisse), Eric Dubuis (Travail.Suisse), Pierluigi Fedele (UNIA) vertreten.

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Entwicklung des Mindestzinssatzes
2003 3,25%
2004 2,25%
2005 2,50%
2008 2,75%
2009 2,00%
2012 1,5%
2014 1,75%
2016 1,25%

Die Gewerkschaften kritisieren angewandte Formel und schlagen eine Anpassung vor, damit den Versicherten nicht zu wenig gut geschrieben wird. Die aktuelle Praxis gewichtet die Schweizer Bundes Obligationen zu stark. Immobilien und Aktien werden hingegen zu wenig berücksichtigt. Um treffsicherer zu werden soll der Mindestzins im laufenden Jahr festgelegt werden.

Begründung vom Bundesamt für Versicherung zur weiteren Senkung im 2016 

„Die Tiefzinspolitik der Notenbanken hat die Rendite der Bundesobligationen auf rekordtiefe Werte sinken lassen. Die Verzinsung der 7-jährigen Bundesobligationen lag Ende August bei minus 0.38%. Weltweit tiefe Zinsen lassen sich auch im Bereich der Anleihen beobachten. Die Aktienmärkte haben sich im 2014 zwar positiv entwickelt, in diesem Jahr jedoch sind die Schwankungen in der Entwicklung von Aktien und Anleihen hoch und die Performance ungenügend. Aus diesen Gründen hat der BR beschlossen, den Mindestzinssatz auf 1.25 Prozent zu senken.

Gemäss Gesetz wird die Höhe des Mindestzinssatzes auf Grund der Entwicklung der Rendite der Bundesobligationen sowie zusätzlich der Aktien, Anleihen und Liegenschaften festgelegt.“

Technischer Zinssatz

Das PK-Netz hat eine Broschüre zum Thema technischer Zinssatz publiziert. Auf 32 Seiten finden sich die wichtigsten Grundlagen, Einschätzungen erfahrener Stiftungsräte und PK-Experten:


Der technische Zinssatz ist der Diskontsatz (oder Bewertungszinssatz), mit dem Vorsorgekapitalien und technische Rückstellungen bewertet werden. Er hat nichts mit der Verzinsung der Altersguthaben der aktiv Versicherten zu tun. Der technische Zinssatz dient als Rechnungsannahme: Wie hoch kann das für die Rentenzahlungen zurückgestellte Kapital verzinst werden? Diese Annahme hängt von der Erwartung der Entwicklung der Finanzmärkte ab. Je nach Renditeerwartung ergibt sich für dasselbe Kapital eine höhere oder tiefere Rente (zu berücksichtigen ist zusätzlich noch die Lebenserwartung). Der technische Zinssatz ist damit eine wichtige Grundlage für die Festlegung des Umwandlungssatzes sowie der Beiträge zur Finanzierung der künftigen Rentenleistungen.

Aktuell sind viele Pensionskassen mit Senkungen des technischen Zinssatzes konfrontiert. Bereits in den Vorjahren haben substantielle Senkungen stattgefunden. Eine Senkung hat folgende Auswirkungen:

 

Auswirkungen für die RentnerInnen

Da die Höhe der laufenden Renten garantiert ist, führt die Senkung des technischen Zinssatzes nicht zu einer Verringerung der laufenden Renten. Das Vorsorgekapital der RentnerInnen muss aber wegen der Senkung vergrössert werden. Die Verpflichtungen der Pensionskassen steigen also. Als einfache Faustregel gilt, dass die Reduktion des technischen Zinssatzes um 0,5 Prozentpunkte eine Erhöhung des Vorsorgekapitals der Rentner um rund 5 Prozent nach sich zieht. Dies erfolgt zu Lasten des Deckungsgrades einer Pensionskasse. Da in den letzten Jahren – insbesondere im 2014 – gute Anlagerenditen erzielt worden sind und die Verzinsung der Altersguthaben tief blieb, konnten die Deckungsgrade erhöht werden. Dies kam der Senkung der technischen Zinssätze zu Gute. Denn trotz Senkung des technischen Zinssatzes rutschten die PK nicht in Unterdeckung.

 

Auswirkungen für die aktiv Versicherten

Für die aktiv Versicherten bedeutet die Senkung des technischen Zinssatzes, dass in aller Regel der Umwandlungssatz gesenkt wird und somit die künftige Altersrente tiefer ausfällt. Als einfache Faustregel gilt hier: Eine Reduktion des technischen Zinssatzes um 0,5 Prozentpunkte ergibt eine Reduktion des Umwandlungssatzes um rund 0.35 Prozentpunkte. Um die Absenkung des Rentenniveaus zu verhindern, geht die Senkung des technischen Zinssatzes häufig mit einer stärkeren Kapitalisierung einher (Erhöhung der Sparbeiträge) oder mit einer Erhöhung des Rentenalters. Versicherte, die kurz vor der Pensionierung stehen, sind, um Renteneinbussen zu vermeiden, auf Einmaleinlagen angewiesen. Das bisherige Leistungsniveau kann auch durch eine höhere Verzinsung des Altersguthabens gehalten werden – wobei höhere Kapitalerträge dann auch erwirtschaftet werden müssen.

 

Anlagestrategie

Der technische Zinssatz beeinflusst zusammen mit der Verzinsung der Altersguthaben die Sollrendite einer Pensionskasse. Die Sollrendite entspricht dem minimalen Ertrag auf dem Vermögen, damit sich der Deckungsgrad der Pensionskasse nicht verschlechtert. Sinkt der technische Zinssatz, sinkt auch die benötigte Sollrendite. Die PK braucht so einen tieferen Ertrag, um über die Runden zu kommen. Dementsprechend muss sie weniger in ertragsreiche, aber risikobehaftete Anlagen investieren. Die Risiken nehmen so ab, aber in der Regel auch die Möglichkeit für bessere Kapitalerträge.

 

Festlegung

Der Technische Zinssatz wird vom Stiftungsrat der einzelnen Vorsorgeeinrichtungen/Pensionskassen auf Empfehlung des Pensionskassen-Experten festgelegt. Dabei orientieren sich die Pensionskassen-Experten am Referenzzinssatz, den ihre Kammer jährlich per 30. September ermittelt. Die von der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten beschlossene Fachrichtlinie technischer Zinssatz (FRP 4) schreibt den PK-Experten vor, einer PK keinen technischen Zinssatz zu empfehlen, der über dem Referenzzinssatz liegt. Per 30.9.2015 hat die Schweizerische Kammer der Pensionskassen-Experten den technischen Referenzzinssatz neu auf 2.75 Prozent ermittelt. Konkret heisst das, dass die Pensionskassen für den Jahresabschluss 2015 maximal einen technischen Zinssatz von 2.75% anwenden sollten.

Für einen höheren technischen Zinssatz braucht die Pensionskasse eine vom PK-Experten begründete Ausnahme. Da nebst dem Referenzzinssatz auch die demographische Struktur und Risikofähigkeit der Pensionskasse eine wichtige Rolle bei der Festlegung des technischen Zinssatzes spielt, liegt für viele Kassen die Empfehlung der PK-Experten aber unter 2.75%. Vor allem PK mit einem hohen Rentneranteil werden angehalten, tiefere technische Zinssätze anzuwenden. Denn hier ist die Risikofähigkeit eingeschränkt.

Die Macht der Pensionskassenexperten bei der Festlegung des technischen Zinssatzes ist gross. Zwar obliegt es dem paritätisch zusammengesetzten Stiftungsrat den technischen Zinssatz kassenspezifisch zu bestimmen. Der Stiftungsrat tut es aber auf Empfehlung des Pensionskassen-Experten. Sich gegen die Empfehlung des Experten zu stellen, ist heikel. Das Gesetz verpflichtet den Experten Abweichungen von seiner Empfehlung der Aufsichtsbehörde zu melden. Die einzelnen Stiftungsräte können sich in extremis bei langdauernder Missachtung der Empfehlung, die zur Insolvenz der PK führt, haftbar machen. Obschon solche Haftungsfälle nur bei krasser Missachtung bis hin bei Misswirtschaft in Frage kommen, wird die Haftungsfrage aber in den Stiftungsräten häufig ins Spiel gebracht und damit gedroht. Es überrascht daher nicht, dass die Stiftungsräte allzu häufig den Empfehlungen des Experten folgen ohne diese kritisch zu hinterfragen.

 

Vorgehensweise bei Senkung des technischen Zinssatzes

Beim technischen Zinssatz handelt sich um eine langfristige Grösse, die innerhalb einer Lebensdauer (ca. 25 Jahre) eines Rentners zu halten ist. Simulationen der am Referenzzinssatz hinterlegten Berechnungsformel zeigen, dass bereits ein geringfügiger Anstieg der Zinssätze der 10-jährigen Bundesanleihen den Referenzzinssatz wieder erhöhen würde. Steigen die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen auf 1%, liegt der Referenzzinssatz bei 3%. Schon ein kleiner Zinsanstieg wirft die aktuelle Bestimmung des technischen Zinssatzes aus den Bahnen und die PK, welche nun mit technischen Zinssätzen von 2% oder 2.5% rechnen, würden falsche technische Grundlagen verwenden. Anspruchsvolle Verteilungsfragen der überschüssigen Kapitalerträge würden sich dann stellen. Bisher ist der technische Zins nur gesunken. Es gibt keine Erfahrungswerte mit einer allfälligen Erhöhung. Bevor der technische Zins folglich gesenkt wird, braucht es daher eine fundierte Analyse der Anlagesituation und Risikofähigkeit der Kasse. Die Klärung folgender Fragen drängt sich auf:

  • Wie ist die mittel- bis langfristige Entwicklung der eigenen Anlageerträge zu beurteilen? Dabei
  • soll sich die PK an einen Marktzins orientieren.
  • Welche verschiedenen Szenarien der Zinsentwicklung können verwendet werden?
  • Wie ist die Risikofähigkeit der Kasse zu beurteilen?
  • Wie steht es mit der Sanierungsbereitschaft?
  • Ist eine stärkere Kapitalisierung zu verkraften? Wie ist sie mit der avisierten Lohnpolitik zu vereinbaren?

Besonderes Augenmerk verdient zudem die Frage des künftigen Leistungsniveaus der Renten.

  • Wie wird das bisherige Leistungsniveau trotz tieferem Umwandlungssatz gehalten?
  • Erfüllen die vorgeschlagenen Kompensationsmassnahmen ihren Zweck?
  • Welchen Wert hat die Risikominderung einer künftigen Sanierung für den Arbeitgeber? Wie entschädigt er diese Risikoverlagerung hin zum Arbeitnehmer?