Anlagepolitik

Die 2. Säule kostet den Versicherten nach wie vor rund vier Milliarden an Vermögensverwaltungskosten. Auf Druck der Arbeitnehmer sind diese gesunken, und sollen noch weiter gesenkt werden. Gleichzeitig sehen wir, dass die Gelder der 2. Säule das jährliche BIP übersteigen, damit entsteht eine immense Verantwortung. Nicht nur den Versicherten gegenüber, sondern der ganzen Volkswirtschaft. Eine reine betriebswirtschaftliche Optik untergräbt das Vertrauen in die Pensionskassen. Viele Versicherte wollen zum Beispiel nicht, dass mit ihren Geldern auf steigende Preise von Grundnahrungsmittel gewettet wird oder in die Herstellung von Waffen investiert wird. Ethische und ökologische Auswirkungen der Anlagen werden von der Branche heute noch stark vernachlässigt.

Kosten in der 2. Säule

Vor wenigen Jahren wiesen die Pensionskassen noch Vermögensverwaltungskosten von gerade mal 800 Mio. Franken aus. Offenbar viel zu wenig; denn nach einer Kostenstudie des BSV und den nachfolgend eingeführten Transparenzbestimmungen stieg dieser Betrag plötzlich auf vier Milliarden Franken. Dass die 2. Säule ein für die Finanzindustrie einträgliches Geschäft ist, bestreitet niemand mehr. Aber sinken nun die Kosten, nachdem alle Pensionskassen diese in ihren Jahresberichten offenlegen müssen und die Stiftungsräte heute mehr Informationen haben?

Sicher ist, die Stiftungsräte tragen die Verantwortung. Sie müssen deshalb alles und damit auch die Vermögensverwaltungskosten kritisch hinterfragen. Selbst die Arbeitnehmervertretung ist sich nicht einig, ob die Kosten oder die Nettoperformance im Vordergrund der Anlagestrategie stehen soll.

Auf der einen Seite gibt es die Argumentation von Rudolf Strahm. Strahm gilt als einer der prominentesten Kritiker der hoher Kosten in den Pesnsionskassen. Die Entwicklung zu mehr Transparenz, begrüsst er zwar, sieht noch ein grosses Potential die Kosten in der 2. Säule zu senken. Dabei bezeichnet Strahm das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) auf diesem Gebiet als zu zahm und zögerlich. Auch Stiftungsräte seinen gegenüber der Anlegerszene zu zahm. Als die wahren Kostentreiber bezeichnet Strahm die alternativen Anlagen (Hedgefonds & Private Equity) die auf lange Sicht nichts taugen würden. Als positives Beispiel nennt Strahm die Publica, welche auf solche Anlagen verzichtet.

Auf der Anderen Seite steht beispielsweise die PKZH mit Jürg Tobler. Als Anlagechef der Pensionskasse der Stadt Zürich vertritt Tobler öffentlich die Strategie und die Haltung, dass die Kosten sekundär sind, wenn die Nettorendite stimmt. Die PKZH hält deshalb auch einen überdurchschnittlichen Anteil an Alternativen Anlagen. Und spricht sich daher klar gegen ein Kostendach alternativer Anlagen aus. Diese strategische Entscheidung müsse beim Stiftungsrat bleiben. Tobler hält in seinem Kommentar in der NZZ fest: „Hedge-Funds oder Private Equity ermöglichen das Erschliessen von Renditequellen, die über traditionelle Obligationen- und Aktienanlagen nicht zugänglich sind.“

Die Argumentation von Jürg Tobler in der NZZ:
http://www.nzz.ch/wirtschaft/ein-kostendach-fuer-alternative-anlagen-ist-kontraproduktiv-1.18379677

Immobilien

Immobilien gewinnen für die Pensionskassen an Bedeutung. Wohnungen als Anlage stellen ein breites Spannungsfeld für den Stiftungsrat dar, auch ausserhalb der klassischen Renditerisiken.

Markt

Das Umfeld drängt Pensionskassen zu den Immobilien, obwohl der Markt kaum geeignete Objekte für die Vorsorgeeinrichtungen anbietet. Die Risiken werden immer offensichtlicher. Das aktuell zu billige Geld führt zu Fehl-Allokationen auf dem Markt. Die Alternativen, wie Obligationen, bieten unseren Vorsorgeeinrichtungen kaum noch Zins und auf den Aktienmärkten kann das Risiko kaum mehr abgeschätzt werden. Was bleibt demnach anderes übrig als das Beton-Gold?

Spannungsfeld

Immobilien sind in der Regel Investitionen in Wohnungen, das Zuhause der Versicherten. Der Bau oder der Erwerb von Mietwohnungen hat einen grossen gesellschaftlichen Impact, dem muss Rechnung getragen werden. Der Stiftungsrat ist unter anderem der Ambivalenz ausgesetzt, möglichst hohe Erträge aus den Mieten zu erzielen, dagegen sind steigende Mietpreise für die Versicherten eher nachteilig. Die Mietpreise in städtischen Gebieten sind sogar zu einem der wichtigsten politischen Themen der Bevölkerung geworden.

Nachhaltige Anlagen

Die Pensionskassen sind ihren Destinatären verpflichtet, das heisst unter anderem für  eine angemessene Rendite zu sogen. Diesen Interessen steht die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber. Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte und eine angemessene Rendite widersprechen sich jedoch nicht grundsätzlich.

Nachhaltigkeit ist ein weiter Begriff. Für die institutionellen Anleger bedeutet dies in erster Linie nicht vertretbare Investitionen zu meiden und oder seine Verantwortung als Aktionär wahr zu nehmen. Erstens bringt den Versicherten eine gute Rente nichts, wenn die Welt dereinst vor ökologischen und sozialen Katastrophen steht.

Zweitens kann eine Pensionskasse mit der Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte, sein Rendite- Risikoprofil verbessern. Drittens entspricht die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in der Anlagestrategie dem Bedürfnis vieler Versicherten und somit können Image gestärkt, oder Reputationsverluste vermieden werden.

Das PK-Netz veranstaltet deshalb ein Seminar für Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte zu diesem Thema:

pk_nachhaltige_anlagen_inserat

Nahrungsmittel

Viele Indizien und Studien sprechen für preistreibende Effekte, keine Studie kann den preistreibenden Effekt von Nahrungsmittelspekulation ausschliessen. Auf steigende Preise von Grundnahrungsmitteln und somit auf den sicheren Hungertod Tausender zu spekulieren ist ein Hohn auf die Menschenwürde und die Menschenrechte. Dies durch den Gesetzgeber zu unterbinden ist mit 40% Ja-Stimmen an der Urne gescheitert.

Das PK-Netz als grösstes Netzwerk der Arbeitnehmenden in der beruflichen Vorsorge stellt sich auch nach der Abstimmung kritisch gegen Anlagen in Grundnahrungsmittel. Stiftungsräte sind sich der möglichen Folgen einer solchen Investition oft nicht bewusst.

Aufgrund der grossen Anlagevolumen in der 2. Säule werden relativ kleine Anteile schnell zu grossen Beträgen und die Pensionskassen zu relevanten Akteuren auf dem Markt. Die Renditen sind im Schnitt nicht überdurchschnittlich, ein Verzicht auf die Spekulation auf Nahrungsmittelpreise schmälert somit die Renditen der Vorsorgewerke nicht. Sie finden auch im aktuell schwierigen Marktumfeld ethisch vertretbare Anlagen, welche die Renten der Arbeitnehmenden sichern können. Diese Finanzinvestitionen bringen zudem auch keinen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Diese Spekulation entspricht keineswegs dem Interesse einer nachhaltigen Sicherung langfristiger Renditen und einer global stabilen Konjunktur, mit der auch die Schweiz unter anderem mit ihren rund 2000 Vorsorgewerken vernetzt ist. Im Interesse der Versicherten und der Kassen, soll auf solche Auswüchse der Spekulation ohne Mehrwert, aber mit erheblichem Risiko, verzichtet werden.

Das PK-Netz empfiehlt deshalb, den Arbeitnehmer vertretenden Stiftungsräte, ganz bewusst auf diese Anlagepositionen zu verzichten.

PK-Netz Präsident Urs Eicher „Ich brauche kein Anlagespezialist zu sein, um zu verstehen, dass, wenn eine grosse Nachfrage nach Nahrungsmitteln nach Dürren oder anderen Katastrophen entsteht, die Preise steigen. Folglich gehen alle Fondsmanager in diese Nahrungsmittel und heizen die Spirale an. Leidtragende sind die schwächsten im Glied. Wie so oft. Hier geht es im extremsten Fall um Menschenleben, deshalb müssen wir diese Finanzprodukte meiden.“

Kohlenstoffblase

Die Diskussion um die Kohlenstoffblase („Carbon Bubble“) ist aufgrund des UNO-Klimagipfels in Paris und der BAFU-Studie neu entfacht. Das PK-Netz hat Nationalrat Beat Jans bereits an die Tagung 2014 eingeladen, um über die Gefahren dieser Anlagen zu berichten. Mittlerweile spricht auch die Walstreet oder Christine Lagade vom IWF über diese Risiken. Kampagnen wie „Divestment“ oder „360.com“ haben das Thema global auf die Agenda gesetzt.

Pünktlich vor dem grossen Klimagipfel beurteilt der Bund die Kohlenstoffrisiken für den Schweizer Finanzplatz und die Pensionskassen in einer umfangreichen Studie. Die Untersuchung stellt fest, dass alleine der Schweizer Aktienfondsmarkt gleich viele CO2 Emissionen bindet, wie die ganze Schweiz ausstösst. Die Hälfte davon stammen von unseren Pensionskassen. Nötige Korrekturen in der Klimapolitik würden den Wert dieser Portfolios massiv reduzieren. Je nach Szenario seien durch die Kohlenstoffblase 3% bis 21% der Altersleistungen gefährdet.

Dass sich die Weltgemeinschaft auf nötige und griffige Massnahmen einigt, ist optimistisch. Kohlenstoff intensive Titel weiterhin im aktuellen Ausmass zu halten, ist weder vorausschauend noch nachhaltig.

Wie geht der Stiftungsrat mit diesem Spannungsfeld um?

Immer mehr Pensionskassen führen Kohlenstoff-Reportings durch. Um in einem ersten Schritt die Situation der eigenem Kassen beurteilen zu können. Dazu aufgerufen hat kürzlich das Bundesamt für Umwelt. Auch das PK-Netz fordert die Stiftungsräte dazu auf, die Risiken einer Kohlenstoffblase bei der Anlagestrategie zu berücksichtigen.

Beispiel einer Treibhausgas-Analyse: Carbon Footprint Report Nest (PDF)

 

Aufgrund der neuen Erkenntnissen, rät der Bund den Investoren:

  • Klimarisiken für ihre Investitionen systematisch zu messen und ihre Kapitalanlagen „Stress Tests“ zu unterziehen;
  • Im Bereich Klimawandel und Investments gezielt interne Kapazitäten aufzubauen;
  • Gegenüber Stakeholdern die Klimaauswirkungen ihrer Investitionen offenzulegen;
  • Sich in privaten internationalen Transparenzinitiativen wie dem „Montreal Carbon Pledge“ zu engagieren;
  • Klimaverbesserungsstrategien in ihre Investitionsentscheidungen einzubeziehen und sich Klimaschutzziele zu setzen. Dies kann im Spannungsfeld zwischen Desinvestments von – oder gezielter Interaktion mit – klimaintensiven Unternehmen geschehen.
  • Das ständig wachsende Angebot an klimafreundlicheren Investitionsalternativen für ihr eigenes Portfolio zu prüfen oder selber solche Alternativen zu entwickeln. Hierzu zählen auch die passiven Investmentstrategien um Low Carbon Indices, wie etwa von Solactive oder MSCI.
  • Je nach Möglichkeit und Ausrichtung im gesamten Spektrum auf die Realwirtschaft Einfluss nehmen: Als aktive Aktionäre mit Stimmrechtwahrnehmung, Interaktion mit investierten Unternehmen bis hin zu Desinvestment.

Um sich eine vertiefte Übersicht zu den Risiken mit Kohlenstoffanlage zu verschaffen, haben wir Ihnen eine Artikel- und Link-Sammlung zum Thema zusammengestellt:

„Carbon Bubble“an der PK-Netz Tagung 2014
Präsentation Beat Jans (PDF)                     

Kohlenstoffrisiken für den Finanzplatz Schweiz
BAFU-Studie (PDF)

«Carbon Bubble» lässt Schweizer Pensionskassen kalt (NZZ) 

Raus aus dem Ölgeschäft, hin zu den erneuerbare Energien (Radio SRF – Kontext)

Bohren, bis die Blase platzt Man hat die Gefahr auf einer analytischen Ebene durchaus erkannt“ (Die Zeit)

Die Angst vor der Rohstoffblase
„Werden die Klimaziele eingehalten, droht Banken und Versicherern ein Verlust von bis zu 400 Milliarden Dollar. Der Grund: Die Reserven der Rohstoffkonzerne sind massiv überbewertet.“
Zum Beitrag

Milliarden fliessen aus dem Geschäft mit Erdöl, Gas und Kohle ab
„Grossinvestoren verabschieden sich von fossilen Geldanlagen, weil sie die Gefahr von Wertverlusten erkennen. Das sollten auch Private tun.“
Zum Beitrag

 

Indirektes Aktionariat

Die schweizerischen Pensionskassen sind mit einem zu verwaltenden Vermögen von rund 800 Milliarden Franken namhafte Aktionäre vieler Unternehmen. Als langfristige Investoren mit einem Anlagehorizont von bis zu 30 Jahren haben die Pensionskassen ein vitales Interesse, die Unternehmensentwicklung aufmerksam zu verfolgen und nötigenfalls die Aktionärsrechte wahrzunehmen. Damit ist nicht nur die Teilnahme oder die aktive Vertretung an den Generalversammlungen gemeint, manchmal kann per Dialog mit der entsprechenden Geschäftsleitung fast mehr erreicht werden. Aktionärsanträge oder andere Interventionen an Generalversammlungen führen in der Praxis selten zu einem direkten Erfolg. Vielfach jedoch werden Minderheitsanträge zwei, drei Jahre später erfüllt. Fazit: Aktives Aktionariat lohnt sich für langfristig orientierte Anleger und wird damit für Pensionskassen zum Muss.

Private Equity und Pensionskassen

 In der Praxis gibt es jedoch Umsetzungsschwierigkeiten bei der Ausübung von Aktionärsrechten. Insbesondere kleine Vorsorgeeinrichtungen mit verhältnismässig geringen Investitionsvolumen haben Mühe, direkt in Einzeltitel zu investieren. Für sie kann es attraktiv sein, über Beteiligungsfonds oder Anlagestiftungen zu investieren. Dabei verlieren diese Kassen aber ihre direkten Einflussrechte, weil diese durch den Fonds oder die Anlagestiftung wahrgenommen werden. Fonds und Anlagestiftungen sollen jedoch ihre Richtlinien für die Wahrnehmung der Aktionärsrechte offen legen.

Hier finden Sie Abstimmungsempfehlungen von aktuellen Generalversammlungen des PK-Netz Partners Actares.