Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz sind über vier Millionen Arbeitnehmende obligatorisch in Pensionskassen versichert. Jeder zweite ist bei einer Sammelstiftung.
  • Die Aargauische Sammelstiftung Phönix ist massiv in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Deren Versicherte müssen sie nun sanieren.
  • Brisant: Für die Aufsichtsbehörden ist es schwierig, Risiken bei Sammelstiftungen frühzeitig zu erkennen.
  • Nun will die zuständige Behörde Transparenz schaffen.

Die Pensionskasse Phoenix ist eine Sammelstiftung mit Sitz im aargauischen Kleindöttingen. Die Pensionskasse ist seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten. Verschiedene Tageszeitungen berichteten darüber: Die Rede ist von dubiosen und krummen Geschäften, von gefährdeten Renten und von Geld, das Phoenix verbrannt haben soll.

Sanierung auf dem Buckel der «Büezer»

Nun muss die Pensionskasse saniert werden. «Kassensturz» weiss: Betroffene Versicherte zahlen momentan zusätzliche Lohnprozente ein. Noch härter trifft es die Angestellten der Kommunikationsagentur von Valentino Mauriello. Er wechselte für seine Firma von Phoenix zu einer anderen Pensionskasse. Phoenix kürzte daraufhin das Alterskapital. Total rund 80’000 Franken. Am härtesten traf es eine kürzlich pensionierte Mitarbeiterin. «Phoenix kürzte ihr das angesparte Kapital um 54’000 Franken», beklagt Mauriello.

Phoenix verteidigt die Rentenkürzung. Diese sei korrekt, da es sich bei dieser Firma um eine Teilliquidation handle.

 

Phönix: Riesenloch in der Kasse

Urban Hodel vom Verein PK-Netz, der sich für die Rechte der Arbeitnehmer in der 2. Säule einsetzt, hat die Geschäftsberichte der Pensionskasse Phoenix analysiert. Phoenix sei ihm schon länger negativ aufgefallen. Denn 2017 sei für alle Pensionskassen ein Spitzenjahr gewesen. «Einzig diese Pensionskasse ist in Unterdeckung geraten.» Aus den Geschäftsberichten sei nicht nachvollziehbar, wo das Geld hingeflossen sei.

 

Funktioniert die Aufsicht der Pensionskassen?

Pensionskassengeld, das einfach so verschwindet. Und Versicherte, die dafür zahlen müssen. Wie kann so etwas passieren?

Gerät eine Pensionskasse in Schieflage, schreitet die regionale Aufsichtsbehörde ein. Im Fall Phoenix ist jene des Kantons Aargau zuständig. Gegenüber «Kassensturz» äussert sie sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht. Die Aufsicht habe reagiert, doch relativ spät, sagt Urban Hodel. «Aber es zeigte sich, dass sie keine Handhabung gegen so eine Pensionskasse hat. Und offenbar ist der Schutz der Versicherten nicht genügend ausgebaut.»

Die Sachlage ist erdrückend

Das belegen vertrauliche Dokumente der Revisionsstelle PWC zur Phoenix-Jahresrechnung 2016, die «Kassensturz» vorliegen. PWC listet darin zahlreiche Unregelmässigkeiten und Verstösse von Phönix gegen das Gesetz zur beruflichen Vorsorge auf.

Sämtliche aufgelisteten Punkte habe man analysiert und bereinigt und der Aufsichtsbehörde des Kantons Aargau weitergeleitet, teilt Phoenix «Kassensturz» mit.

 Warum kann die Aufsicht in einem solchen Fall nicht sofort einschreiten? Das Problem liege an den komplexen Strukturen der Sammelstiftungen, sagt Manfred Hüsler, Direktor der Oberaufsichtskommission OAK. Risiken bei Sammelstiftungen frühzeitig zu erkennen sei schwierig: «Wir wollen schauen, dass in Zukunft die Transparenz gesteigert wird. Dass also die Behörde besser in Stiftungen hineinschauen und rechtzeitig intervenieren kann.» Die OAK arbeitet deshalb an einem Entwurf für eine strengere Kontrolle.