Die Senkung laufender Renten aus der 2. Säule ist ein radikaler Angriff auf die Schweizer Altersvorsorge und dem damit verbundenen Verfassungsauftrag. Der Kaderverband (SKO) und der Vertreter der Kaderpensionskasse von PwC nutzen die aktuellen Unsicherheiten, um die 2. Säule als Sozialversicherung abzuschaffen. Wenn laufende Renten gekürzt werden, reissen alle Dämme. Bereits heute sinken die Renten aus den Pensionskassen empfindlich. 

Die Pensionskassen leiden unter den anhaltenden tiefen Zinsen. Obwohl die Renditen bis heute durch die realen Anlagen (Aktien und Immobilien) kompensiert wurden, sind stabile Voraussagen und damit die Berechnung einer Rente erschwert. Deshalb sinken die Renten aus der beruflichen Vorsorge bereits heute von Jahr zu Jahr. Laut OAK ist das zukünftige Rentenniveau innert vier Jahren um rund 11% gesunken.

Solange die AHV nicht einmal die Existenz sichert, ist und bleibt die berufliche Vorsorge eine Sozialversicherung mit einem konkreten Verfassungsauftrag: Die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise zu garantieren, dieses Versprechen gilt bereits heute für eine wachsende Anzahl Erwerbstätiger nicht mehr. Die Initiative zur Senkung laufender Renten aus der 2. Säule und die entsprechende parlamentarische Initiative (17.521n Weibel) verletzen zudem rechtsstaatlicheGrundsätze, durch eine einseitige Vertragsänderung, und stellen für Rentnerinnen und Rentner eine krasse Verletzung der Vertrauensbasis dar.

Die Initianten blenden aus, dass die 2. Säule nicht nur aus paritätischen BVG-Stiftungen besteht, wo jeder Franken im System bleibt. Immer mehr Pensionskassen werden von privaten Gesellschaften kontrolliert, wo die Mitsprache der Versicherten nicht gewährleistet ist. So können Gebühren und Gewinne ungehindert abgezogen werden. Diese Kosten der Pensionskassen sind so auf jährlich über 5 Milliarden gestiegen. Die drohenden Senkungen der laufenden Renten würden diese Gewinne weiter in die Höhe treiben.

Durch die anhaltend tiefen Zinsen ist der Reformbedarf in der BVG unbestritten. Die Rentensituation für tiefe und mittlere Einkommen, insbesondere für Frauen, ist nicht angemessen. Eine Zusatzfinanzierung zur Stabilisierung der Rentenhöhe und gezielte Verbesserungen für zu tiefe Renten für Frauen aus der 2. Säule sind deshalb naheliegend. Deshalb verhandeln aktuell die Sozialpartner über eine tragfähige Lösung. Der Angriff von Kadervertretern auf die Grundlagen der Schweizer Altersvorsorge ignoriert die Realität, dass die Mehrheit der Erwerbstätigen vor der Pensionierung auf Planbarkeit und sichere Renten angewiesen sind.