Das PK-Netz begrüsst die Stellungnahme des Bundesrates, der grosse Interessenkonflikte bei der heutigen Entschädigung der Vermittler durch die Pensionskassen sieht. Was bei der privaten Vermögensverwaltung mit Retrozessionen durch das Bundesgericht längst untersagt wurde, läuft in der beruflichen Vorsorge munter weiter. Die Vermittler erhalten von den Pensionskassen Jahr für Jahr rund 300 Millionen Franken an Provisionen, auf Kosten der Altersrenten der Arbeitnehmenden.

Der Wettbewerb zwischen den Vorsorgeeinrichtungen darf nicht über die Höhe der Broker-Entschädigungen ausgetragen werden. Für Urban Hodel, PK-Netz Geschäftsführer, ist deshalb klar: «Unabhängig können Berater nur sein, wenn sie ihre Arbeit auf Honorarbasis leisten.» Der heutige Basar der Versicherten an den Meistbietenden, ist einer Sozial-versicherung unwürdig, die Interessen der Erwerbstätigen bleiben auf der Strecke. Eine gesetzliche Anpassung ist deshalb dringend notwendig.

Die Kosten von 300 Millionen Franken sind nur die Spitze des Eisberges. Immer mehr Gelder versickern in kommerziell geführten Pensionskassen, welche auch bereit sind, den Vermittlern höchste Provisionen zu bezahlen und dadurch stärker wachsen können.

Die Kosten in der 2. Säule sind nicht unwesentlich: Laut den neusten Zahlen des Bundes-amtes für Statistik sind alleine in den letzten vier Jahren rund 20 Milliarden Franken den Altersguthaben der Erwerbstätigen entzogen worden. Während die Renten aus der 2. Säule Jahr für Jahr sinken, steigen die Kosten weiter massiv an.

Die BVG-Plattform der Arbeitnehmenden (PK-Netz) fordert die Politik auf, eine Gesetzesänderung möglichst rasch anzugehen, um die Grundlagen für einen fairen Wettbewerb in der 2. Säule zu schaffen.

PK-Netz, 24.05.2019

 

Stellungnahme des Bundesrates vom 22. Mai 2019:

1./2. Versicherungsmakler sind Vermittler und unterstützen die Arbeitgeber bei der Suche nach einer Vorsorgeeinrichtung, der sie sich anschliessen können. Als treuhänderische Sachverwalter handeln sie ausschliesslich im Namen ihres Auftraggebers (des Arbeitgebers). So ist es auch dem Berufsbild Schweizer Versicherungsbroker und dem Code of Conduct des Verbands Schweizer Versicherungsbroker (Siba) zu entnehmen. Die Vorsorgeeinrichtungen zahlen aus ihrem Vorsorgevermögen eine Entschädigung an Dritte (Versicherungsmakler), die sich verpflichtet haben, ausschliesslich die Interessen der anderen Partei (d. h. des Arbeitgebers) zu wahren; mit der Kommission werden Leistungen entschädigt, die normalerweise der Arbeitgeber bezahlen oder erbringen müsste. Solche Zahlungen sind nicht im Interesse der Destinatäre und nicht mit dem Vorsorgeziel vereinbar. Im Gegensatz zu anderen Versicherungsbranchen sind die in der beruflichen Vorsorge an Versicherungsmakler gezahlten Kommissionen tatsächlich problematisch. Denn dadurch können auch Fehlanreize entstehen, die die bestehenden Verzerrungen (Risikoselektion) in der beruflichen Vorsorge noch verstärken.

3./4. Nach Ansicht des Bundesrates ist die aktuelle Situation unbefriedigend, und es besteht Anpassungsbedarf. Fachleute aus der Praxis schlagen unter anderem ein Verbot von volumenabhängigen Entschädigungen oder ein allgemeines Verbot von Kommissionen zulasten der Vorsorgeeinrichtungen vor, wenn ein Versicherungsmakler im Namen des Arbeitgebers handelt. Der Bundesrat ist bereit zu prüfen, wie und auf welcher rechtlichen Ebene Änderungen angezeigt sind.