Die neue Vorsorgeeinrichtung scheint demselben Geschäftsmodell zu entsprechen wie die marode Phoenix.

Serge Aerne war Gründer und in der Startphase auch Geschäftsführer der Pensionskasse Phoenix. Bis heute ist er dort im Rahmen eines Beratermandats vor allem für die Kundenakquisition zuständig. Aerne hat mit der Phoenix aber auch Geld verdient, indem er Leistungen seiner weiteren Firmen der Phoenix verkaufte. Ob er damit gegen Vorschriften verstossen hat, ist Gegenstand von Untersuchungen.

Tatsache ist, dass die Sammeleinrichtung Phoenix heute aufsichtsrechtliche Verfahren am Hals hat und zum Sanierungsfall geworden ist, für den die angeschlossenen Unternehmen und deren Angestellte nun mit Sanierungsbeiträgen teuer bezahlen. Zudem sind gegen Serge Aerne Zivil- und Strafklageverfahren hängig. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gestern teilte die börsenkotierte BFW Liegenschaften AG mit, dass Serge Aerne aus der Geschäftsleitung austritt, aber weiterhin dem Verwaltungsrat angehört. Gleichentags meldete die an der Berner Börse kotierte Admicasa Holding AG, dass sie Aerne von seinen Aufgaben als Geschäftsführer der Admicasa Holding und als Verwaltungsrat der Tochtergesellschaften suspendiert. Dies so lange, bis laufende Untersuchungen und Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. Gemäss beiden Unternehmen stehen die Entscheide in Zusammenhang mit der Berichterstattung dieser Zeitung.

Es sind lauter alte Bekannte an Bord

Noch unbekannt war bisher, dass Aerne bei der Gründung einer weiteren Pensionskasse eine Rolle spielt. Auch ehemalige Mitstreiter der Phoenix sind dort mit an Bord. Die neue Vorsorgeeinrichtung soll EOS Pensionskasse heissen. Sie ist bereits als Internet-Domain Eos-pk.ch registriert. Verantwortlich für die Registrierung ist ein Bekannter von Serge Aerne, der früher bei der Phoenix für den Vertrieb zuständig war. Er ist auch als bisher einziger Verwaltungsrat für die Paragon Vorsorge AG im Handelsregister des Kantons Aargau eingetragen. Zweck der Paragon: Dienstleistungen für Vorsorgeeinrichtungen erbringen.

Das Muster könnte dem Geschäftsmodell der Phoenix entsprechen: Es werden eine Pensionskasse sowie Firmen gegründet, die mit dieser Pensionskasse Geschäfte machen können. Angeblich als Berater engagiert ist der ehemalige Geschäftsführer der Phoenix, der die Sammeleinrichtung Ende 2018 verlassen hat. Zudem bestätigt ein aktuelles Mitglied des Stiftungsrats der Phoenix, dass es angefragt worden sei, als Gründungsmitglied dem Stiftungsrat der EOS beizutreten.

Unabhängig von der Phoenix beobachten Experten schon seit einigen Jahren mit Sorge, dass Pensionskassen gegründet werden, die als kommerzielles Vehikel dienen, anstatt die Interessen der Versicherten zu garantieren. Es sind vor allem kleinere, auf Wachstum ausgerichtete Sammeleinrichtungen wie die Phoenix, bei denen dieses Risiko besteht. «Solche Konstrukte bauen darauf, dass die Gewinne durch Gebühren abgeschöpft werden – Verluste und Risiko tragen alleine die versicherten Erwerbstätigen», sagt Urban Hodel , Geschäftsführer von PK-Netz, das die Interessen der Arbeitnehmenden in der beruflichen Vorsorge vertritt.

Die EOS und die Paragon beurteilt Hodel skeptisch: «Aufgrund der Erkenntnisse bei der Phoenix wäre es für die Betroffenen ein Hohn, wenn keine Lehren aus diesen Fehlern gezogen und solche Konstrukte weiterhin zugelassen würden», sagt er.

Der im Handelsregister für die Paragon eingetragene Verwaltungsrat betont, dass Serge Aerne nicht für die Paragon im Handelsregister eingetragen sei und nichts mit der EOS zu tun habe. Aernes Kommunikationsberater betont, dass sein Mandant nicht an diesen Firmen beteiligt sei. Andere Personen räumen ein, dass Aerne zumindest eine vermittelnde Rolle gespielt habe.

Verschiedene Spuren führen zu Serge Aerne

Die Geschäftsadresse im Handelsregister der Paragon wie auch die bei der Internet- Domain Eos-pk.ch hinterlegte Adresse führen ins aargauische Oberwil-Lieli zur Geschäftsadresse von Serge Aernes Bruder. Dokumente, die dieser Zeitung vorliegen, zeigen, dass bei der EOS Pensionskasse für Serge Aerne eine E-Mail-Adresse eingerichtet worden ist und dass Aerne mit dem erwähnten Paragon-Verwaltungsrat über einen Lohn verhandelt hat.

Dazu will dieser keine Stellung nehmen. Er bestätigt aber, dass die Korrespondenz an die Geschäftsadresse von Aerne umgeleitet werde, weil er selber zwischen verschiedenen Wohnsitzen pendle.

Anforderungen für die Gründung einer Pensionskasse:

Ehemalige Mitstreiter der Phoenix sind dort mit an Bord. Vorsorgewerken werden hohe Summen anvertraut, die zukünftige Renten sichern sollen. Wer eine Pensionskasse oder eine Sammeleinrichtung gründen will, braucht dafür jedoch keine mit strengen Vorgaben verknüpfte Lizenz, wie sie zum Beispiel fürs Bankgeschäft erforderlichist. Auchkein schulischer oder beruflicher Leistungsausweis ist nötig. Um Missbräuchen vorzubeugen, hat die Politik als Vorsichtsmassnahme dennoch einige Hürden eingebaut: Der Gründer einer Pensionskasse muss mindestens 500000 Franken als Garantie sowie ein Anfangsvermögen, das die mutmasslichen Bertriebskosten der nächsten zwei Jahre deckt, bereitstellen. Die Garantie bleibt während fünf Jahren auf einem Sperrkonto als Sicherheit, falls es zu einer Unterdeckung kommt. Aufgrund schlechter Erfahrungen seien die Aufsichtsbehörden in den vergangenen Jahren vorsichtiger geworden, sagt Experte Patrick Spuhler. Er ist Gründungspartner der in Zürich domizilierten Prevanto, die Pensionskassen berät und bei der Verwaltung unterstützt. Heute verlangen die Aufsichtsbehörden vor einer Gründung zum Beispiel einen nachvollziehbaren Businessplan. «Die Aufsichtsbehörde prüft auch die Integrität und Loyalität der Verantwortlichen.» Doch für Leute, die das notwendige Kapital organisieren können, ist es laut Spuhler nicht schwierig, eine Pensionskasse zu gründen. Viel schwieriger sei es dann, das notwendige Wachstum zu erzielen, damit sichdie Kosten möglichst rasch rechneten und der Risikoausgleich spiele. (ki)