Der Fall Phoenix zeigt mögliche Folgen für Unternehmen, wenn eine Pensionskasse finanziell in Schieflage gerät. Betroffen ist auch ein Eishockeyclub.

Der Pensionskasse Phoenix mit Sitz im aargauischen Kleindöttingen haben sich neben vielen kleineren und mittelgrossen Betrieben aus der ganzen Schweiz auch der Schlittschuhclub Rapperswil-Jona Lakers und die Niederlassung eines internationalen Konzerns mit mehreren Hundert Angestellten angeschlossen.

Der Schlittschuhclub wie auch die erwähnte Niederlassung befinden sich innerhalb der Phoenix im Vorsorgepool «Solid». Dieser Pool wies schon in der Rechnung 2017 einen alarmierend tiefen Deckungsgrad von 76,4 Prozent aus. Bei einem Wert von unter 100 Prozent muss eine Pensionskasse saniert werden. Denn das bedeutet, dass das vorhandene Kapital nicht ausreicht, um die versprochenen Renten zu finanzieren.

Das schlechte Börsenjahr 2018 dürfte die Ausgangslage für die Phoenix noch verschlechtert haben. Vorsorgewerke streben in der Regel einen Deckungsgrad von 110 bis 120 Prozent an, um beispielsweise Wertschriftenverluste mit Schwankungsreserven auffangen zu können.

Wie es die Lakers trifft

«Vertrauenspersonen des SC Rapperswil-Jona Lakers haben den Verein an die Phoenix vermittelt und damit in eine sehr dumme Situation gebracht», sagt Martin Hubatka, der die Lakers als Anwalt und Pensionskassenexperte vertritt. In einem Punkt gibt er zwar Entwarnung: Wer die Stelle wechselt oder sich bei einer Pensionierung das Geld auszahlen lässt, erhalte 100 Prozent des angesparten Vorsorgekapitals. Damit sinkt jedoch der Deckungsgrad für die in der Phoenix verbleibenden Versicherten zusätzlich. Wechseln die Lakers die Pensionskasse, geht das fehlende Vorsorgekapital für die Angestellten zunächst verloren und müsste über Schadenersatzklagen geltend gemacht werden. Hubatka äussert sich zudem besorgt, weil er Hinweise auf «akute Liquiditätsprobleme» bei der Phoenix hat.

Um die finanziell angeschlagene Phoenix zu sanieren, müssen Arbeitgeber und Angestellte zusammen zusätzliche 4 Prozent auf den Löhnen abliefern. Das ist zwar vergleichsweise viel, aber kein extrem hoher Wert. Die Festsetzung der Höhe eines solchen Beitrags ist für Pensionskassen ein Hochseilakt: Fordern sie zu viel, kann das eine angeschlossene Firma in den Ruin treiben. Ein Unternehmer kann in Versuchung geraten, einen Betrieb – im schlimmsten Fall per Konkurs – rasch aufzulösen, anstatt ihn finanziell ausbluten zu lassen.

Im Fall der Phoenix dürfte sich die Sanierung über etliche Jahre hinziehen. Auch die erwähnte Niederlassung mit mehreren Hundert Angestellten, die in einer Branche mit tiefen Margen tätig ist, befürchtet geschäftliche Nachteile bis hin zu einer Auflösung und will deshalb nicht namentlich erwähnt werden.

Firmen im Vorsorgepool «Solid» müssten bei einem Austritt auf über 21 Prozent ihres Vorsorgekapitals verzichten.

Eine Pensionskasse mit Unterdeckung benötigt nicht nur Mehreinnahmen, sie muss auch sparen. Die Phoenix hat beschlossen, den überobligatorischen Teil des Vorsorgeguthabens nicht mehr zu verzinsen. Dieser Teil des angesparten Kapitals wächst also nicht mehr. Obligatorisch versichert sind seit 2019 Löhne zwischen 21330 und 85320 Franken. Die Beiträge aus diesen Löhnen verzinst die Phoenix mit 1 Prozent.

Schliesslich hat die Phoenix die Austrittsleistungen erheblich gekürzt. Wenn ein Unternehmen zu einer anderen Pensionskasse wechseln will, kann es also nicht mehr das gesamte angesparte Kapital mitnehmen. Die Firmen im Vorsorgepool «Solid» müssten in diesem Fall auf über 21 Prozent ihres Vorsorgekapitals verzichten, die angeschlossenen teilautonomen Vorsorgewerke auf gut 14 Prozent.

Bei der Zürcher Kommunikationsagentur Factum zum Beispiel verliert eine langjährige Mitarbeiterin auf diese Weise mehr als 54’000 Franken ihres Guthabens. Factum-Geschäftsführer Valentino Mauriello bereut den Wechsel zur Pensionskasse Phoenix auf Anfang 2016. Beim Übertritt sei das Vorsorgewerk noch zu 100Prozent ausfinanziert gewesen.

Geld fliesst auf Sperrkonto

«Die Pensionskasse Phoenix ist offenbar handlungsunfähig», sagt eine Anwältin, die nicht namentlich genannt werden will. Sie vertritt die Interessen einer Reihe von Unternehmen, deren Angestellte mit ihrem Vorsorgekapital bei der Phoenix versichert sind. Was sie berichtet, klingt alarmierend: «Der Stiftungsrat – das verantwortliche Organ – war nicht erreichbar, brieflich angeforderte Informationen und Beschlüsse werden bis heute nicht zugestellt, über die derzeitige finanzielle Lage der Stiftung wird nicht informiert.»

Versicherte, die die Phoenix Ende 2017 verliessen, warteten zum Beispiel bis heute auf ihr Kapital. Die Sammelstiftung stelle nicht einmal mehr ausstehende Beiträge in Rechnung. Die Firmen, welche die Juristin vertritt, würden zwar die gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge für die zweite Säule weiterhin einzahlen. «Das Geld geht aber nur noch auf ein Sperrkonto und nicht mehr zur Phoenix», sagt sie.

 

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