Nach dem Scheitern der Abstimmung zur Altersvorsorge 2020 am 24. September 2017 haben wir uns mit vielen Pensionskassen und Fachleuten aus der beruflichen Vorsorge ausgetauscht und uns mit der Frage beschäftigt, was aus dem Scherbenhaufen genommen werden kann, um das Vertrauen in die 2. Säule zurück zu gewinnen. Welche Probleme gibt es, wo stimmen die Vertreter/ innen der Versicherten, Pensionskassen und Fachleute im Grundsatz für einmal überein.

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Bei vielen Problemen überwiegen leider Partikularinteressen oder ideologische Differenzen. Ein zentrales Problem in der beruflichen Vorsorge konnten wir jedoch ermitteln, mit dringendem Handlungsbedarf und einer breit abgestützten Unterstützung.

Die Rede ist vom Entschädigungsmodell für die Broker. Die jährlich rund 300 Millionen Franken Provisionen und Courtagen an die Broker erscheinen vielen – im Vergleich zu den hunderten Milliarden in den Spartöpfen der Pensionskassen – als unbedeutend. Dabei sind diese Kosten nur die Spitze des Eisberges. Denn die Broker sind die Vermittler, sie spielen eine entscheidende Rolle für die Vorsorgelösungen von rund 2 Millionen versicherten Erwerbstätigen, welche keine betriebseigene Pensionskasse mehr haben. Sie steuern das Marktergebnis. Was viele nicht wissen, die meisten Broker sind nicht unabhängig, sondern erhalten willkürliche und intransparente Zahlungen der Pensionskassen. Die Versicherten werden herumgereicht, wie auf einem Basar.

Als mir ein Brancheninsider vorgerechnet hat, dass gewisse Vorsorgeeinrichtungen mit schlechten Leistungen für einen attraktiven Anschluss pro Versicherten und Jahr bis zu 1000 Franken bezahlen, wurde mir klar, ein solches Vorgehen entspricht nicht den fairen und transparenten Grundlagen, die wir für die Zukunft der 2. Säule brauchen.

Die aktuelle und gängige Praxis der erfolgsabhängigen Provisionen und Courtagen erlaubt keine unabhängige Beratung. Der Markt wird damit massgeblich durch die Höhe dieser Zahlungen an die Broker gesteuert.

Deshalb fordern wir saubere Grundlagen für einen fairen und transparenten Wettbewerb unter den Pensionskassen, bei dem auch die Interessen der Versicherten wieder berücksichtigt werden. Eine aufwandbasierte Entschädigung für die Brokertätig- keit ist die Grundlage für eine unabhängige Beratung und einen transparenten Wettbewerb – die auch den heutigen Gouvernance-Standards entspräche.

Es freut mich ausserordentlich, dass die Allianz für einen fairen und transparenten Wettbewerb in der 2. Säule immer breiter wird und auch die Mehrheit der einwandfrei verwalteten Pensionskassen eine Anpassung des heutigen Regimes begrüsst.

Am Anfang einer Lösung steht immer eine saubere Analyse. Deshalb haben wir für Sie die wichtigsten Hintergründe der notwendigen Massnahmen in einer kleinen Broschüre zusammengefasst. Ich danke für Ihr Interesse und bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit allen betroffenen Pensionskassen-Verantwortlichen und der Politik eine vernünftige Lösung finden werden.

Urs Eicher, Präsident PK-Netz