Die diesjährige Tagung des PK-Netz war intensive Vorsorgekost mit einigen Knacknüssen.

Von Peter Schneider, Direktor VPS

 

Adrian Wüthrich, Präsident von Tavail Suisse und Nationalrat (SP) ortete in der Teilzeitarbeit vieler Frauen ein Problem. Eintrittsschwelle und Koordinationsab- zug haben zur Folge, dass sie das Leistungsziel in der beruflichen Vorsorge nicht erreichen. Das sei nur eine der Ursachen, sagte Colette Nova, Vizedirektorin BSV. Neben der Teilzeitarbeit verrichten Frauen aber auch viel unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie. Sie ziehen sich früher aus dem Erwerbsleben zurück und leiden nach wie vor unter Lohnungleichheit. Frauenrenten sind in der beruflichen Vorsorge im Schnitt 1/3 so hoch wie jene der Männer. Die Ungleichheit
in der Altersvorsorge werde erst abnehmen, wenn Frauen die gleichen Möglichkeiten haben, eine Erwerbstätigkeit auszuüben und diese dann auch wahrnehmen.

PK-Netz Tagung in Bern

 

Vermögensverwaltungskosten

Mit Kosten in der Vermögensverwaltung befassten sich alt Preisüberwacher Rudolph Strahm, BVK Ge- schäftsführer Thomas Schönbächler und Swisscanto Anlagechef Iwan Delplazes. Schönbächler stellte die Erfolgsgeschichte der BVK bezüglich Kostensenkung vor. Deplazes mahnte, dass man neben der Vermei- dung von Kosten auch daran denken sollte, Perfor- mance zu generieren. Für Strahm sind Vorsorgeein- richtung zu wenig kostenbewusst. Dies habe zur Folge, dass Versichertengelder im «Sumpf der Finanz- industrie» versickerten. Strahm möchte, dass die Vor- sorgeeinrichtungen ihre Kosten im Verhältnis zum Vermögen, zur Anzahl Versicherten oder im Verhält- nis zu den bezahlten Renten ausweisen müssen, er- gänzend zu den bereits existierenden Angaben be- züglich Ter und Transparenzquote. Deplazes dagegen wünscht keine weitere Anhäufung von Kennzahlen, sondern die Abschaffung der BVV-2-Anlagelimiten.

Heute benützen knapp 70 Prozent der grossen Kas- sen den Erweiterungsartikel. Dies interpretiert Depla- zes so, dass die Limiten nicht nötig sind, beziehungs-

weise eine falsche Sicherheit vermitteln. (Man könnte die Situation auch genau umgekehrt interpretieren: Wer die Limiten überschreiten will, kann dies heute problemlos machen). Sicher ist, dass dieses Thema noch genauer analysiert werden muss. Die Stiftung Förderungs- und Wissenschaftsplattform 2. Säule hat deshalb ein juristisches Kurzgutachten in Auftrag ge- geben. Dieses wurde an der Tagung «Mise au pont» vom 9. November in Yverdon vorgestellt. Mehr zum Thema ist in der November- und der Dezemberaus- gabe der «Schweizer Personalvorsorge» zu lesen.

Zukunft der Vollversicherung

Zur Rolle der Lebensversicherer in der 2. Säule sprach Markus Leibundgut, CEO von Swisslife Schweiz. Er betonte, dass das Angebot der Vollversicherung nach wie vor von sehr vielen KMU geschätzt wird und dass die 5 bis 7 Prozent Rendite auf dem Risikokapital keineswegs überrissen sind. Matthias Kuert, Leiter So- zialpolitik bei Travail Suisse, anerkannte das Bedürf- nis der KMU nach Sicherheit, meinte aber, dass im jet- zigen System das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimme. Ihn stört, dass die Swisslife ab dem kommen- den Jahr einen Anteil von 50 Prozent des Vollversiche- rungsgeschäfts hat. Die Bezahlung der Garantien müsste auf mehr Schultern verteilt werden.

PK-Netz Tagung in Bern

 

Nicht ihre Karten auf den Tisch legen wollten die Vertreter der Sozialpartner, die im Moment in den Ver- handlungen zur künftigen BVG-Revision stehen. Im- merhin: Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik beim Arbeitgeberverband, betonte, dass man sehr konst- ruktiv in den Verhandlungen sei. Es gebe weder eine rote Linie noch eine Schere im Kopf. Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschafts- bund, sagte, in Zeiten anhaltend tiefer Realzinsen müsste man auch die Umlageelemente in der 2. Säule in Betracht ziehen. Bis im April sollen die Sozialpartner dem Bundesrat Lösungsvorschläge unterbreiten.

PK-Netz Tagung in Bern

 

>> Link Schweizerische Personalvorsorge