Versicherte erwarten von Pensionskassen, dass sie nachhaltig investieren.

 

Fast neun von zehn Schweizerinnen und Schweizern legen Wert darauf, dass ihre Pensionskasse bei Anlagen nur solche Firmen berücksichtigt, in denen die Beschäftigten fair entlöhnt werden. Wichtiger als dieses Kriterium ist den Versicherten in der beruflichen Vorsorge einzig noch die Sicherheit der Anlagen: 96Prozent der Befragten halten es für sehr wichtig respektive eher wichtig, dass ihre Vorsorgeeinrichtung in sichere Anlagen investiert.

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An dritter Stelle folgt die Erzielung einer möglichst hohen Anlagerendite, der 80Prozent der Befragten eine mehr oder minder grosse Bedeutung beimessen. Dahinter rangiert der Ökologieaspekt: 72Prozent erachten es als sehr oder eher wichtig, dass Anlagen nur in umweltfreundliche Firmen getätigt werden. Diese Zahlen sind der gestern veröffentlichten jährlichen Studie von Axa Investment Managers zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur zweiten Säule zu entnehmen. In diesem Jahr lag das Schwerpunktthema auf der Anlagetätigkeit der Pensionskassen.

Jüngere denken anders

Diesbezüglich messen die Versicherten also der Nachhaltigkeit ein hohes Gewicht zu – aber wie würden sie reagieren, wenn ihre Pensionskasse Investitionen tätigt, die sie ethisch nicht vertreten können? Da fällt das Ergebnis doch eher ernüchternd aus: Die meisten Befragten (27Prozent) geben zur Antwort, man könne nicht reagieren, denn die Kassen machten ohnehin, was sie wollen. Auf Platz zwei (17Prozent) folgen jene, die sich bei der Pensionskasse beschweren würden, und die dritthäufigste Antwort (10Prozent) lautet wiederum: «Das stört mich zwar, aber ich beschwere mich nicht.»

Auf das Spannungsfeld zwischen maximaler Rendite und sozial verantwortlichen Investitionen der Pensionskassen ist die Studie noch vertiefter eingegangen. Demnach sagen 62Prozent aller Befragten, ihnen sei Letzteres wichtiger, wogegen 32Prozent eine höhere Rendite bevorzugen. Deutlich anderer Meinung ist hingegen die Altersgruppe der 25- bis 41-Jährigen: 53Prozent priorisieren eine höhere Rendite, und nur 42Prozent stufen die soziale Verantwortlichkeit als wichtiger ein.

In diesen Zahlen widerspiegle sich wohl die Furcht der jüngeren aktiv Versicherten, dass ihre Rente aus der zweiten Säule dereinst deutlich bescheidener ausfallen dürfte, meinte Werner E. Rutsch, Leiter Institutionelles Geschäft bei Axa Investment Managers, gestern vor den Medienvertretern. Entsprechend grossen Wert legten diese Leute auf die Anlagerendite.

Ähnlich verhält es sich bei Immobilieninvestitionen: Während 55Prozent der 25- bis 41-Jährigen von ihrer Pensionskasse verlangen, sie solle hier gesellschaftliche Ziele wie bezahlbaren Wohnraum im Auge haben, und 44Prozent wiederum die Renditemaximierung bevorzugen, lautet das Ergebnis für die Gesamtbevölkerung 72 zu 25Prozent.

Favorisierte Immobilien

Apropos Immobilien: Sie gelten bei gut der Hälfte der Befragten als jene Anlageklasse, in die ihre Pensionskasse am stärksten investieren soll. Erst mit weitem Abstand folgen Aktien, Obligationen und alternative Anlagen wie zum Beispiel Rohstoffe. Gegen Aktien spricht laut Umfrageergebnis eindeutig das zu hohe Risiko, und gegen Obligationen werden vor allem zwei Gründe ins Feld geführt: dass sie derzeit kaum oder keine Rendite abwerfen und bei immer noch recht vielen Leuten letztlich nicht durchschaut werden. Im Fall der alternativen Anlagen gibt es aus Sicht der Befragten primär zwei Handicaps, nämlich ebenfalls ihr hohes Risiko und ihre mögliche moralisch-ethische Anrüchigkeit.

Zum festen Bestandteil der Axa-Studie, die zum achten Mal erarbeitet wurde, gehört die Frage, welche Massnahmen die Versicherten (nicht) akzeptieren würden, um die zweite Säule zu stabilisieren. Weiterhin keine Chance haben tiefere Renten und ein höheres Rentenalter mit Ablehnungsquoten von 83 respektive 70 Prozent. Dagegen wäre die Bevölkerung offen für eine Förderung von freiwilligem Teilzeitarbeiten ab 65 Jahren: Gut zwei Drittel stimmen dem zu.

Robert Meyer, 30.08.2018 – Tagesanzeiger

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