Die Leistungen der privaten Lebensversicherer sind seit längerem am Boden – der Rückzug ist deshalb eine logische Konsequenz. Nur durch überhöhte Broker- und Maklerkosten und horrende Werbekosten konnte das schlechte Angebot der privaten Lebensversicherer bislang am Leben erhalten werden. Weil die Privatassekuranz in der Sozialversicherung 2. Säule hohe Gewinne abzweigt, bleibt für die versicherten Arbeitnehmer immer weniger für die Rente.

Die AXA hat sich die letzten Jahre fürstlich abgelten lassen, seit 2005 hat sie mit dem Geld der beruflichen Vorsorge einen Gewinn über die Umsatzbeteiligung von 2,285 Milliarden erzielt.[1] Jetzt, da sich durch das Tiefzinsumfeld tiefere Gewinne für den Mutterkonzern abzeichnen, wird das Angebot zurückgezogen. Das stellt auch die Verlässlichkeit der Privatassekuranz gegenüber den KMU’s in Frage. Ob sich die Situation der betroffenen Versicherten verbessert ist fraglich. 
 
Dazu sagt Urban Hodel, Geschäftsführer des grössten BVG-Netzwerkes der Arbeitnehmenden: 
„Wichtig ist, dass die versicherten Arbeitnehmer/innen in Zukunft einen Anschluss bei nicht gewinnorientierten Vorsorgeeinrichtungen finden, die ihr Vermögen ausschliesslich im Interesse der Versicherten und Rentenbeziehenden verwalten. Nur so kann das Vertrauen in die 2. Säule zurückgewonnen werden“. 

Hintergrund 
Weil der Druck auf die Eigenkapitalrendite der Konzerne nach wie gross ist, werden die Altersguthaben der Versicherten massiv tiefer verzinst. Die grössten Anbieter (AXA und Swiss Life) verzinsen das Alterskapital des Überobligatoriums 2017 und 2018 nur noch mit 0.25 % – während Sammelstiftungen in diesem Zeitraum Verzinsungen von 2 bis 3 % garantieren, auch im überobligatorischen Teil. Von der massiven Minderverzinsung in der Vollversicherung sind über eine Million Erwerbstätige (jeder vierte)[2] betroffen, dies führt zu deutlich tieferen Alters-guthaben. Dass sich der zweitgrösste Anbieter aus diesem gescheiterten Modell zurückzieht, ist zu begrüssen.

Tiefere Verzinsung der Lebensversicherer

Referenzzinssatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Pensionskassenvergleich und eigene Berechnung; die dargestellte Verzinsung ist mit 40 % Überobligatorium und 60 % Obligatorium (Mindestverzinsung) gewichtet.
Der Rückzug von AXA muss als Signal gewertet werden, in Zukunft auf sozial-partnerschaftlich geführte Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen zu setzen, wo keine privaten Gewinne abgezweigt werden können und die Interessen der Versicherten im Mittelpunkt stehen.

[1] FINMA Offenlegungsschemata der Betriebsrechnungen 2005 bis 2016, inkl. Winterthur Leben 2006 bis 2008 vor Fusion
[2] FINMA Transparenzbericht 2016