Foto1Die Gründe für die Ablehnung sind so zahlreich wie die verschiedenen Konfliktlinien und Akteure der Kampagnen. Der Gewerbeverband hat, noch bevor das Abstimmungsresultat feststand, das Rentenalter 67 angekündigt – dies aber während der Kampagne geleugnet. Das linke Nein-Lager sonnt sich als die „wahre“ Rentenverteidigerin – die politische Realität in Bern scheint meilenweit weg zu sein. Soviel zur Einigkeit der beiden Nein-Lager. Fest steht nur: Das jahrelange Feilschen um einen Kompromiss war nutzlos und wir stehen wieder auf Feld eins – alles andere ist Schönfärberei. Nachdenklich stimmt nicht nur die verpasste Chance, die Altersvorsorge zu modernisieren und solider zu finanzieren. Der wahre Tiefpunkt sind die „Fake-News“, früher Lügen genannt, während der Kampagne: „PK-Rente erst ab 70 mit AV2020“ oder „AHV Rente vom Millionär bezahlt der Büezer“ hiess es von den Gegnern – das macht ratlos.

Alle sind sich aber noch am Tag der Abstimmung einig: Es gibt nur eine Mehrheit an der Urne mit einem Kompromiss. Doch wie soll ein neuer Kompromiss aussehen? Gössi & Co. wünschen sich ein neues Paket, einfach nach ihrem Gusto: Weniger Kosten für Firmen und Reiche, dafür höhere Kosten für die tiefsten Löhne und die Jungen. Und, die Wirtschaftsverbände setzen ihre Millionen lieber in eine Kampagne gegen eine solidarische Altersvorsorge ein.

Doch dieser „Sieg“ wird sie noch lange und intensiv beschäftigen. Ein Rentenabbau sei tabu, behaupten sogar die Arbeitgeber. Das Rentenniveau und die Finanzierung zu sichern wird mit diesem Nein einfach teurer. Was sie uns für den nächsten Urnengang verkaufen wollen, bleibt unbeantwortet. Schlechtreden ist keine Kunst – es besser machen schon.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Verspekuliert haben sich bei der Altersvorsorge 2020 fast alle Akteure, es gibt somit keine wirklichen Gewinner, ausser die Banken und Versicherungen, die nach der Abstimmung auf noch bessere Geschäfte mit der privaten Vorsorge hoffen: „Die Jungen müssen ihre Vorsorge selbst in die Hand nehmen. Sie sollten das Maximum in die 3. Säule einzahlen“, so sagte Martin Janssen am Tag nach der Abstimmung gegenüber der Handelszeitung. Janssen selbst ist Besitzer von Ecofin, einer grossen Finanzdienstleistungsfirma. Nun können sie das verhinderte „Zückerchen“ im eigenen Schleckwarengeschäft feiern, Ostern und Weihnachten zusammen, und hoffen, dass sich die Sozialpartner und die Politik möglichst lange uneinig sein werden – Unsicherheit und Verunsicherung beleben das Geschäft. Dabei ist es nicht nur das Interesse der Arbeitnehmenden, dass ihr Einkommen nicht in der teuren privaten Vorsorge versickert. Auch die Arbeitgeber und die Pensionskassen sollten ein vitales Interesse daran haben, dass unsere Renten aus unseren Sozialversicherungen kommen.

Wobei die Pensionskassen aktuell nicht nur ein schwieriges Umfeld haben – sie haben auch noch ein grosses Potenzial, die Kosten der Versicherten zu senken. Der andauernde Reformstau muss auch ein Weckruf an die Akteure der beruflichen Vorsorge sein – sich für eine effizientere 2. Säule zusammenzuraufen.