Der Nationalrat verweigert sich weiterhin einem trag- und mehrheitsfähigen Kompromiss für die Reform der Altersvorsorge 2020. Sein Vorschlag von höheren Beiträgen in die 2. Säule ist keine Garantie für höhere Renten, im Gegenteil. Die grosse Kammer setzt auf ein Pferd, das immer mehr lahmt. In den umhüllenden Pensionskassen, in welchen 85 % der Arbeitnehmenden versichert sind, fallen die Umwandlungssätze seit kurzem immer stärker, und sie werden noch mehr sinken. Deshalb lautet die aktuelle Formel in der 2. Säule: Höhere Beiträge für gleichzeitig immer weniger Rente. Fazit: nur eine Reform mit einem AHV-Zuschlag, wie sie der Ständerat vorschlägt, findet bei der Bevölkerung eine Mehrheit.

Flächendeckende Senkungen von 10 % bis 25 %
Die Entwicklung der 2. Säule ist alarmierend. Auf Anfang 2017 haben zahlreiche Pensionskassen die Umwandlungssätze massiv gesenkt. Im Verlaufe der letzten 5 Jahre sind die Umwandlungssätze bei vielen Pensionskassen zwischen 10 % bis 25 % gesunken (siehe Tabelle). Eine Recherche des PK-Netzes bei rund 80 grossen Pensionskassen zeigt klar auf, dass sich der Trend zu tieferen Umwandlungssätzen verstärkt hat, indem sich diese flächendeckend gegen 5 % bewegen. Diesem Fakt wird in der Debatte rund um die Reform der Altersvorsorge 2020 nicht Rechnung getragen. Letztendlich ist für die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner unwichtig, aus welchem Topf ihre Rente kommt. Wichtig ist, dass das Niveau erhalten werden kann und dieses nicht nur von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängt.

Beispiele von Senkungen der Umwandlungssätze

>Ganze Recherche als PDF (Entwicklung von 80 wichtigen Pensionskassen, 2012-2020)

 

Die Perspektiven sind düster

Das grösste Problem ist, dass wir das Ende der Fahnenstange noch nicht sehen.
Als Indiz dafür gilt der technische Zinssatz, der massgeblich die Höhe der Umwandlungssätze bestimmt. Der Referenzzinssatz des technischen Zinssatzes (Diskontsatz, mit dem Vorsorgekapitale bewertet werden) ist seit 2007 von 4.5 % auf heute 2.25 % gesunken. Die führende PK-Beraterfirma PPCmetrics rechnet vor, dass dieser Zinssatz im Jahr 2020 auf unter 1.5 % sinken soll. Die Auswirkungen für die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner sind unter dieser Perspektive fatal. Versicherungsmathematisch würden die Umwandlungssätze so gegen 4.5 % sinken. Die folgende Grafik zeigt die zu erwartende Entwicklung des Referenzzinssatzes:

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Fred Scholl, ein erfahrener Stiftungsrat und Vizepräsident der grössten Schweizer Pensionskasse Publica hält fest: „Das Zinsumfeld der Pensionskassen ist derart unsicher, dass wir unseren technischen Zinssatz auf 2% senken müssen, wir können den Umwandlungssatz so nur noch knapp über 5% halten. Die Auswirkungen auf die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner sind einschneidend. Für Scholl ist im Kontext der Debatte zur Reform der Altersvorsorge 2020 klar: „In diesem Umfeld nur auf die Pensionskassen zu setzen ist blauäugig. Es braucht eine Gesamtstrategie für unser bewährtes 3-Säulen-System. Der Ständeratsvorschlag ist nicht nur mehrheitsfähiger, sondern wird auch der aktuellen Entwicklung in der 2. Säule gerecht.“

Urs EicherPK-Netz Präsident hält fest: „Wir brauchen eine tragfähige Reform. Die Ständeratslösung ist ein echter Kompromiss, der auch der Entwicklung der 2. Säule Rechnung trägt und die Interessen der Versicherten in den Vordergrund stellt.“ Die vorgesehenen Einschnitte seien nicht zu unterschätzen. „Die Erhöhung des Frauenrentenalters ist für die Betroffenen keine Bagatelle: Deshalb braucht es griffige und mehrheitsfähige Kompensationen.“