Rund 50 Stiftungsräte und Vertreter der Pensionskassen-Branche diskutierten am 1. Juni in der Berner Schmiedstube über die weiterhin aktuelle Frage der Kosten in der 2. Säule – angesichts der über 4 Milliarden jährlich anfallenden Kosten für die Verwaltung der rund 800 Milliarden der Pensionskassen ein zentrales Thema für die Arbeitnehmervertretung. Insbesondere in Zeiten, wo die Renditen minimal ausfallen und die Leistungen der Versicherten massiv unter Druck kommen.

 

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Die Perspektive des Bundes vertritt Vera Kupper Staub als Vizepräsidentin der Oberaufsichtskommission OAK BV. Für Kupper führe Intransparenz zu Unsicherheit und Misstrauen. Die Anstrengungen die Transparenz zu verbessern seien erfolgreich gewesen: Mit einer Transparenzquote von 99.55% im Jahr 2015 sei sie sehr zufrieden. Sie gibt jedoch zu, dass dabei auch bei 100% nicht alle Kosten drin sind, die effektiv anfallen. Gewisse Kosten, gerade im internationalen Bereich, seinen sehr schwer zu ermitteln. Erstaunlicherweise haben sie bei ihren Untersuchungen keinen systematischen Zusammenhang zwischen hohen Kosten und hoher Rendite festgestellt. Auch die Grösse der Pensionskassen führe nicht per se zu tieferen Kosten. Aufgrund der Etablierung der Transparenzkennzahlen plant die OAK BV aktuell keine Veränderung der Kostentransparenzvorschriften.

 

Als Verantwortlicher einer Kasse mit vergleichsweise tiefen Vermögensverwaltungskosten referiert Stefan Beiner, Leiter Asset Management der PUBLICA. Mit 36 Milliarden verwaltet Beiner das grösste PK-Portfolio der Schweiz – mit 20.1 Basispunkten auch eine mit den tiefsten Kosten. Den Hauptgrund für die tiefen Kosten identifiziert Beiner bei der Anlagestrategie. Die PUBLICA verzichtet auf aufwendige Produkte und investiert indexiert und indexnah.  Dies, weil sie der Ansicht sind, dass nur sehr wenige aktive Manager in der Lage sind, die Marktperformance dauerhaft und risikobereinigt zu übertreffen. Auch Beiner hält fest, dass die Kosteneffizienz nur mit Transparenz erreicht wird. Neben der Anlagestrategie als wichtigstem Einflussfaktor auf die Kosten, seien Verhandlungsgeschick und eine gute Implementierung der Strategie relevant.

Als gutes Gegenbeispiel mit tendenziell überdurchschnittlich hohen Vermögensverwaltungs-Kosten dient die Pensionskasse der Stadt Zürich. Jörg Tobler vertritt diese Position als Leiter der Vermögensanlagen der PKZH. Tobler betont denn auch klar, dass für ihn primär nicht die Kosten, sondern die Nettorendite im Vordergrund steht. Die PKZH achte sehr wohl auf die Kosten, der hohe Anteil Private Equity und Hedge Funds, den sie im Portfolio haben, treibe die effektiven Kosten in die Höhe. Für Tobler hat sich diese Strategie für die Versicherten ausbezahlt. Sie hätten über eine längere Zeitspanne eine positive Nettobilanz gegenüber den traditionellen Anlagen wie Aktien oder Obligationen.

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Rudolf Strahm tritt als einer der prominentesten Kritiker hoher Vermögensverwaltungskosten auf. Der ehemalige Preisüberwacher macht kein Hehl aus seiner kritischen Haltung gegenüber der Finanzwirtschaft. Noch immer würden Gelder in Kanälen versickern, die wir nicht sehen. Auch Strahm attestiert der beruflichen Vorsorge eine Verbesserung der Transparenz als eine wichtige Grundlage, er sieht jedoch noch viel Potenzial. Auch die TER-Kosten (Gesamtkostenquote) seien nicht vollständig. Bei den neusten Zahlen, die Strahm von C-alm hat, seien die Kosten letztes Jahr sogar wieder gestiegen. Was ihn wie auch die anderen Referenten, angesichts des aktuellen Zinsumfeldes, jedoch nicht überrascht.

Für Strahm ist es skandalös, dass sich die Branche, allen voran der ASIP, nicht zu diesem Thema äussert oder sich für tiefere Kosten einsetzt. Hingegen würden die Pensionierungsverluste täglich skandalisiert und angeprangert. Die Pensionierungsverluste müssen seiner Meinung nach zwangsläufig zu Anpassungen führen, im Vergleich zu den Kosten relativiere sich das Bild jedoch. Strahm rät den Stiftungsräten, auf kostentreibende, alternative Anlagen zu verzichten. Hedge Funds lohnen sich nicht und seinen sehr kurzlebig. Strahm pocht auf ständiges Nachfragen der Stiftungsräte bezüglich der Kosten. Für ihn ist denn auch klar: „Kaufe nur, was Du verstehst“.

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Die Position der PK Stadt Zürich vertritt Jorge Serra (Vizepräsident PK-Netz) auf dem Podium als Kontrahent von Strahm. Er unterstreicht die positiven Resultate, die sie mit der aktiven Anlagestrategie bei der PKZH erreicht haben. Serra sieht jedoch diese Strategie nicht als Allerweltsmittel für alle Pensionskassen. Die PKZH bringe die kritische Grösse und das nötige Know-how mit, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. Der historisch tiefe Anteil von Immobilien habe die PKZH zu Alternativen gezwungen. Noch vor wenigen Jahren hatten sie nur Aktien und Obligationen im Portfolio. Mit der neuen Strategie haben Versicherte und Steuerzahler Beiträge gespart. Für Strahm kommen die Hedge Funds trotzdem nicht infrage. Er sei zwar erstaunt, dass die PKZH damit positive Erfahrungen macht, für ihn seien das weiterhin Selbstbedienungsläden.

7. Juni 2016, PK-Netz