Der Pensionskassenverband kritisiert den Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) scharf, weil dieser die massiven Kürzungen der Renten thematisiert und auf einer Liste (PK-Alarm) zusammenträgt. ASIP greift die Gewerkschaften öffentlich an, weil diese die harte Realität der Versicherten in der 2. Säule kommunizieren. Es scheint eine verkehrte Welt zu sein. Nein, es widerspiegelt die Doktrin, welche von der Branche immer mehr zelebriert wird: Leistungssenkungen schönfärben, die Lage der Kassen dramatisieren und schliesslich die Generationen gegeneinander ausspielen, um davon abzulenken, dass sich die Arbeitgeber aus der Verantwortung ziehen können.

Anders als vom ASIP vorgeworfen, werden die Arbeitnehmervertreter in den Stiftungsräten von den Gewerkschaften nicht angegriffen. Im Gegenteil: Die Gewerkschaften nehmen ihre Verantwortung wahr und unterstützen und beraten die Arbeitnehmervertreter konstruktiv und zum Wohle aller Versicherten. Die massive Erosion in der 2. Säule soll durch eine Stärkung der 1. Säule kompensiert werden. Dieser Lösungsvorschlag seitens der Gewerkschaften hat der Pensionskassenverband nicht zu kommentieren, da es ihn nicht betrifft oder im schlechtesten Fall entlastet.

Wenn die Rente eines Versicherten um beispielsweise 15 % sinkt, wie dies bei vielen Pensionskassen mittlerweile der Fall ist, bedeutet das einige Hundert Franken weniger im Portemonnaie, jeden Monat versteht sich. Diese Situation schön zu reden oder zu negieren birgt viel Konfliktpotenzial in sich. Die BVK ist hierfür ein Paradebeispiel.

Bevor der Pensionskassenverband sich komplett von den Arbeitgebern instrumentalisieren lässt, sollten wir die Frage stellen: Wem gehören die Vorsorgegelder? Richtig, zu 100 % den Arbeitnehmenden. Dieser Verpflichtung sollte und müsste sich der Pensionskassenverband eigentlich auch bewusst sein.

Ob das Vorgehen des ASIP von allen Pensionskassen mitgetragen wird, ist fraglich.

Kommentar von Urban Hodel, PK-Netz, 19. 05. 2016