Nachhaltige Anlagen haben 2015 ein eindrückliches Wachstum hingelegt. Dass sich daran auch im laufenden Jahr wenig ändern dürfte, hat mehrere Gründe.

Von Michael Schäfer, 11.05.2016, NZZ

In der Schweiz nachhaltig angelegte Vermögen haben im vergangenen Jahr einen Zuwachs verbucht, wie man ihn in der Regel nur von der Technologiebranche kennt. Um satte 169% sind die genannten Anlagen gemäss einer gemeinsamen Erhebung von Swiss Sustainable Finance (SSF) und dem Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) gestiegen. Ende 2015 betrugen sie rund 192 Mrd. Fr. gegenüber deutlich bescheideneren 71 Mrd. Fr. im Vorjahr.

In Anlageprozessen verankert

Ein erheblicher Teil des Anstiegs ist allerdings auf eine erweiterte Datenbasis zurückzuführen. Allein 55 Mrd. Fr. sind hinzugekommen durch die erstmalige Erfassung von selbst verwalteten Vermögen institutioneller Investoren. Zu diesen zählen etwa die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva, der Versicherungskonzern Mobiliar oder Pensionskassen wie die der Stadt Zürich oder die Nest-Sammelstiftung. Zudem tauchen auch die von der Bank Julius Bär nachhaltig verwalteten Gelder erstmals in der Statistik auf.

Selbst wenn man die neuen Studienteilnehmer ausklammert, lag das «organische» Wachstum immer noch bei eindrücklichen 30%. SSF-Geschäftsführerin Sabine Döbeli führt dies unter anderem darauf zurück, dass immer mehr Vermögensverwalter Kriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG-Kriterien) systematisch in ihren Anlageprozessen verankern. Rund 100 Mrd. Fr. werden gemäss dieser als ESG-Integration bezeichneten Strategie verwaltet.

Noch stärker verbreitet ist die Anwendung von Ausschlusskriterien, die traditionell wichtigste der oft parallel verfolgten Anlagestrategien. Am häufigsten aus den Portfolios verbannt wurden Titel von Unternehmen, die im Bereich der Kernenergie tätig sind. An zweiter Stelle finden sich Papiere von Firmen, die Menschenrechte verletzen, es folgen solche, die Arbeitsrechte zu wenig beachten.

Weiteres Wachstum absehbar

Es bedarf keiner seherischen Fähigkeiten, um auch für 2016 hohe Wachstumsraten für nachhaltige Anlagen vorherzusagen. Nicht zuletzt die Klimakonferenz von Paris hat zur Sensibilisierung einer breiteren Öffentlichkeit für das Thema beigetragen, was die Nachfrage der Privatkunden stimulieren dürfte.

Die grössere Dynamik dürfte aber bei den institutionellen Investoren herrschen, die heute hinter drei Vierteln der angelegten Gelder stehen. Insbesondere ihre treuhänderischen Pflichten, über die bis anhin vor allem im Ausland intensiv diskutiert wurde, spielen zunehmend auch hierzulande eine Rolle. Sichtbarstes Zeichen dafür ist der von sieben öffentlichrechtlichen Anlegern (darunter die Suva sowie die Pensionskassen der Post, der SBB und des Bundes) gegründete Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen. Mit ihm wollen die Mitglieder ihre Verantwortung gegenüber Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft wahrnehmen

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