Viele Pensionskassen beschäftigen sich mit der Frage, ob und wenn ja in welchem Mass Stiftungsräte finanziell entschädigt werden sollen. Die Frage birgt heikle Aspekte, jede Kasse muss eine eigene Antwort finden.

Art. 51a Abs. 4 BVG schreibt vor, dass das oberste Organ über eine angemessene Entschädigung seiner Mitglieder entscheidet. Die Entschädigung gilt für die Teilnahme an Sitzungen wie auch für die Teilnahme an Schulungskursen. Nun stellt sich die Frage, was angemessen heisst und wie hoch die Entschädigung für den Stiftungsrat sein darf und soll.

Entschädigungen bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen

Im Dezember 2013 haben zwei Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Bachelor-Thesis im Auftrag der inter-pension erstellt.[1] Mittels dieser Umfrage konnten verschiedene Entschädigungsmodelle herauskristallisiert und die Höhe der Entschädigung festgestellt werden. Befragt wurden nur Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen. Unter den 32 befragten Vorsorgeeinrichtungen bezahlten drei keine Entschädigung oder wollten keine Angaben dazu machen.

Gemäss der Umfrage werden durchschnittlich 14.40 Franken pro versicherte Person für die Stiftungsratsentschädigung eingesetzt. Das heisst bei ­einer Vorsorgeeinrichtung mit 20 000 Versicherten wird dem Stiftungsrat eine Summe von 288 000 Franken ausbezahlt. Bei einem Stiftungsrat bestehend aus 10 Mitgliedern sind es 28 800 Franken pro Stiftungsratsmitglied und Jahr. Zur Entschädigung kommen noch allfällige Geschenke, wobei die Information betreffend Entgegennahme von Geschenken gemäss Art. 48k BVV 2 intern geregelt sein muss. Der Toleranzbereich für Geschenke geht bei den befragten Vorsorgeeinrichtungen von 0 bis 1000 Franken.

In der Thesis wird betont, dass es sehr unterschiedliche Entschädigungsmodelle gibt. Bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen wird ein Grundgehalt ausgerichtet. Dazu kommen entweder Sitzungsgelder oder Spesen, Sitzungsgelder und Spesen oder nur die Spesen. Einige Vorsorgeeinrichtungen kennen nur Sitzungsgelder und Spesen als Entschädigung.

 

Eine gefährliche Diskussion

Zahlreiche Vorsorgeeinrichtungen entrichten keine Entschädigungen oder begleichen höchstens die Spesen. Welcher Stiftungsrat führt die eigene Vorsorgeeinrichtung nun besser? Der Stiftungsrat, der entschädigt wird, oder der Stiftungsrat, der höchstens die eigenen Spesen zurückbekommt?

Obschon eine Vorsorgeeinrichtung im Milizsystem geführt wird, darf vermutet werden, dass immer mehr Stiftungsräte sich mit diesem Thema befassen. Das Entschädigungsthema birgt jedoch für das Milizsystem ein grosses Risiko: Der Milizgedanke kann darunter leiden, und es bringt die Frage mit sich, ob der Stiftungsrat nicht am besten professionalisiert werden soll.

Was bringt eine Entschädigung?

Der Stiftungsrat, der sich mit der Entschädigung befasst, muss sich vor Augen halten, dass das Risiko besteht, falsche Anreize zu setzen.

Viele Stiftungsräte von firmenbezo­genen Vorsorgeeinrichtungen kennen keine Entschädigung. Wie sieht es bei einem solchen Stiftungsrat aus, wenn er plötzlich eine Entschädigung erhält? Wird die Tätigkeit im Stiftungsrat als Arbeitszeit gezählt und werden die Spesen gar vom Arbeitgeber getragen, dann müsste die Stiftungsratsentschädigung dem Arbeitgeber überwiesen werden. Was dann die Frage auslöst, warum eine Entschädigung bezahlt werden soll. Es liegt ja im Interesse des Arbeitgebers, die Verwaltungskosten so tief wie möglich zu halten.

Für viele Stiftungsräte ist der Mangel an Zeit für ihr Amt das wichtigere Problem als eine Entschädigung. Wenn ein Mitglied des Stiftungsrats nun bei einer Entschädigung konsequenterweise das Arbeitspensum reduziert, um die Tätigkeit im Stiftungsrat in der Freizeit ausüben zu können, kann es problematisch werden. Somit dürfte dieses Mitglied die Entschädigung persönlich erhalten. Ein solches Vorgehen dürfte eindeutig als falscher Anreiz eingestuft werden. Insbesondere dann, wenn die Stiftungsratsentschädigung einen wesentlichen Anteil des Jahreseinkommens der Person ausmachen würde (zum Beispiel 20 Prozent oder mehr). Bei den in der Thesis befragten Gemeinschafts- oder Sammeleinrichtungen wäre es interessant zu wissen, wann die Stiftungsräte ihr Amt ausüben, sprich ob dies während der Freizeit oder während der Arbeitszeit geschieht. Leider geht dies aus der Umfrage nicht hervor.

Der Andrang für die Stiftungsräte von Sammeleinrichtungen, die oft Kleinbetriebe oder Selbständigerwerbende versichern, dürfte nicht gewaltig sein. So kann ein entsprechendes Entschädigungsmodell sinnvollerweise gewisse Anreize schaffen. Finanzielle Anreize sind aber immer eine Gratwanderung, sie können auch dazu führen, dass Personen sich nur des Geldes und nicht der Sache wegen für das Stiftungsratsamt zur Verfügung stellen.

 

Was ist angemessen?

Die Frage, welche Entschädigung angemessen ist, lässt sich bei einer Zahl von knapp 2000 Vorsorgeeinrichtungen nicht pauschal beantworten. Was ist nun eine angemessene Entschädigung für den Stiftungsrat? Die erwähnte Thesis bezieht sich auf lediglich 32 Sammeleinrichtungen und kann nicht als repräsentativ betrachtet werden. Somit kann sie auch nicht als Messlatte oder Vergleichsgrösse für alle Vorsorgeeinrichtungen beigezogen werden. Die Resultate der VPS-Umfrage sind zwar repräsentativ, aber aufgrund der Heterogenität der Vorsorgeeinrichtungen der Teilnehmer ebenfalls schwer zu interpretieren.

Die Antwort, welche Entschädigung angemessen ist, hängt von Faktoren wie der Firmenphilosophie, Finanzstärke und Branche des Unternehmens oder dem Vermögen der Vorsorgeeinrichtung ab. Der Stiftungsrat muss verhindern, dass das Thema zu einer rein monetären Betrachtung wird. Argumente für die Festlegung der Höhe der Entschädigung sollen analysiert und hinterfragt werden. Zu prüfen sind sicherlich die Anzahl der Stiftungsratssitzungen, die Bildung und Sitzungshäufigkeit von Kommissionen, die investierte Zeit für die Vorbereitung und die Sitzungsdurchführung sowie die Kompensation dieser Zeit. Auch dürfen diese Argumente nicht zu einer künstlichen Vermehrung der Sitzungshäufigkeit führen.

Eine Alternative zum monetären Anreiz ist die Weiterbildung. Fachspezifische Weiterbildung setzt im Gegensatz zum Geld keine falschen Anreize. Ein gut funktionierender Stiftungsrat investiert denn auch beachtliche Summen in die eigene Weiterbildung, wovon alle beteiligten Akteure profitieren. Mit diesem Anreiz kann durchaus offensiver bei fähigen Nachwuchskandidaten geworben werden.

Von Sabino di Mambro

(eidg. dipl. Pensionskassenleiter, Leiter Organisation und Entwicklung, PAT-BVG)

[1]  Bachelor-Thesis «Entschädigung von Stiftungsräten»: Sigrist, Philippe; und Gafuri, Blerim. www.inter-pension.ch, Dezember 2013. http://www.inter-pension.ch/aktuelles/ (Zugriff am 7. Januar 2016).

 

Erschienen in der Schweizer Personalvorsorge April 2016

www.schweizerpersonalvorsorge.ch