Diese Woche berät die Kommission für Soziales und Gesundheit des Nationalrates erneut die Reform Altersvorsorge 2020. Arbeitgeber- und Gewerbeverband forderten bereits anlässlich der Anhörung im letzten Januar die Erhöhung des Rentenalters. Getarnt in einer technokratischen Stabilisierungsregel wollen sie das Rentenalter für Männer und Frauen bis auf 67 erhöhen.

Bei FDP und SVP stossen die Arbeitgeber damit offene Türen ein. Sie wollen Rentenalter 67 zum Inhalt der Altersvorsorge-Reform machen. Dabei machen sie aber die Rechnung ohne den Wirt: Denn die Erhöhung des aktuellen Rentenalters ist weit weg von der beruflichen Lebensrealität der Menschen. Dies zeigt auch die neueste Umfrage der Lebensversicherungsgesellschaft Swiss Life, die letzte Woche publiziert wurde.

Befragt wurden letzten Winter rund 1300 Personen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und in Frankreich, sowohl Erwerbstätige zwischen 35 und 65 als auch Pensionierte ab 65. Die Resultate zeigen es deutlich: Obschon in allen vier Ländern die Politik intensiv über die Erhöhung des Rentenalters diskutiert, wird sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung kaum dafür entscheiden, über das aktuell ordentliche Rentenalter weiterzuarbeiten.

Der weit verbreitete Wunsch nach frühzeitiger Pensionierung oder zumindest nach einem Altersrücktritt zum heute geltenden ordentlichen Rentenalter hat triftige Gründe: Auf dem Arbeitsmarkt haben es ältere Arbeitnehmende schwer. Die Umfrage zeigt, dass die aktuellen Voraussetzungen und Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt nicht für ein verlängertes Berufsleben sprechen. Nur 27% der Befragten geben an, dass an ihrem aktuellen – bzw. bei Arbeitslosen und Rentnern an ihrem letzten – Arbeitsplatz alle Hierarchiestufen des Unternehmens die Erfahrungen älterer Arbeitskräfte respektieren. Für 22% geht die Situation weit über mangelnden Respekt hinaus: Den Älteren werde nicht genügend Einfluss eingeräumt. Da diese Zahlen bei den jüngeren Befragten (die meist noch berufstätig sind) und den älteren (meist im Ruhestand) fast identisch sind, hat sich die Einstellung der Arbeitgeber auch in letzter Zeit offensichtlich nicht gebessert.

Eine Arbeitsumgebung, in der sich ältere Arbeitnehmer entfalten können und wohlfühlen, scheint selten: Nur 10% der Befragten geben an, ihr aktueller bzw. ihr letzter Arbeitgeber verfüge über wirksame Richtlinien, um das Potenzial dieser Mitarbeiter optimal auszuschöpfen. Bei weitaus mehr Befragten besteht der Eindruck, dass gezielt gegen ältere Arbeitnehmer vorgegangen wird: In der Schweiz geben fast die Hälfte der Befragten an, von einem Arbeitsplatzabbau in ihrem Unternehmen seien speziell ältere Arbeitnehmer betroffen. Zudem herrscht die Meinung vor, dass ältere Mitarbeitende in den Ruhestand abgedrängt würden.

Damit bestätigt auch diese Studie, dass die Erhöhung des Rentenalters über das aktuell geltende Rücktrittsalter 64/65 nicht der Realität auf dem Arbeitsmarkt entspricht. Wer Rentenalter 67 fordert, politisiert am Volk vorbei. Wer dies nicht kapiert, wird es spätestens in der Volksabstimmung merken.